Eingebundene Orte

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Einleitung

Die eingebundenen Orte rühren von der altdeutschen Deckung. Diese Art der Ortausbildung wurde dann später auch auf die Schuppendeckung und die Bogenschnittschablone übertragen. Häufig wird sie bei der letzten Deckung aber durch einen aufgelegten Ort ersetzt, weil er einfacher auszuführen ist. Mit dem eingebundenen Ort kann der Handwerker aber sein Können unter Beweis stellen. Deshalb wird dieser Ort üblicherweise bei Zwischen- und Geselleprüfungen von den Auszubildenden erwartet.

Bezeichnungen

Die eingesetzten Steine tragen bei den Schieferdeckungen folgende Bezeichnungen:

Anfangort

Anfangort zwstein vergleich.png

Ein Anfangort besteht aus den folgenden Steinen oder Platten:

  • Anfangortstichstein
  • evtl. Anfangortzwischenstein
  • Anfangortstein

Der Stichstein wird bis vor den Rücken des darunterliegenden Decksteins und die Anfangortplatte bis vor den Rücken des zweiten Decksteins geführt. Dabei kann es aber notwendig werden, die Anfangortplatte über zwei Deckplatten bis vor die dritte zu führen. Dies ist z.B. dann notwendig, wenn der nächste Stichstein im nächsten Gebinde zu klein werden würde. In diesem Fall muss vor den zweiten Rücken ein Zwischenstein eingedeckt werden .

Endort

Stichendort.png

Die Endorte werden bei der altdeutschen Schieferdeckung grundsätzlich eingebunden gedeckt, d.h. entweder als Stichort oder als Doppelort. Die Wahl der Endortsteine richtet sich nach der Sortierklasse der Decksteine. Endorte sollten so lang wie möglich gedeckt werden, um das Material optimal auszunutzen und den Bruch und Verhau auf ein Minimum zu reduzieren. Endorte werden bei der altdeutschen Schieferdeckung - anders als bei der Deutschen Deckung FZ 30/30 cm - ohne Plattenhaken gedeckt. Sie sind mit mindestens 3-4 Schieferstiften bzw.-nägeln zu befestigen.

Stichendort

Der Stichendort setzt sich zusammen aus

  • Endortstichstein und
  • Endortstein.

Doppelort

Der Doppelort setzt sich zusammen aus dem

  • kleinen Endort- und dem
  • großen Endortstein.

Bei FZ-Platten heißen sie dann entsprechend Anfangortstichplatte usw.

Funktion des Stichsteins

Der Stichstein soll die Anfang- bzw. Endortplatte unterfüttern, dass sie nicht hohl liegt und durch Schneedruck zerstört wird. Daher stößt der Stichstein beim Anfangort direkt an die Brust des ersten Decksteins des Deckgebindes. Beim Endort deckt er bis ca auf die Hälfte der darunterliegenden Endortplatte. Überdeckt ein Anfangort zwei Decksteine, dann muss neben dem Stichstein auch ein Zwischenstein zum Höhenausgleich eingedeckt werden (siehe Bild weiter unten). Dies kann evtl. auch beim ersten Endort erforderlich sein, der auf ein Fußgebinde gedeckt wird.

Ausführung

Eigentlich gibt es nicht viele Regeln, die bei der Ausführung von Orten zu beachten sind. Die Form ergibt sich aus der Funktion, variiert jedoch stark von Dachdecker zu Dachdecker. Bei den altdeutschen Orten konnte jeder Dachdecker seine eigene 'Handschrift' entwickeln, solange er sich an die Regeln hielt. Erlaubt war was gefiel.

Bei der Orteindeckung sollte man also beachten:

  • Der Bogen von Stichstein und Anfang- bzw. Endort sollte das Wasser von der Ortkante wegleiten, daher soll der Übergang von der Ortkante zum Bogen 'weich' sein. An einer 'Ecke' würde das Wasser abtropfen. Gleiches gilt für den Übergang von Bogen zu Fußlinie.
  • Der Bogen des Stichsteins sollte etwa 1 - 2 cm unterhalb der Höhenüberdeckung des darunterliegenden Steins an der Ortkante enden.
  • Die Bögen von Stich- und Anfang- bzw. Endortstein sollten die Ortkante im Verhältnis 1/3 - 2/3 unterteilen.

Bilder

Schiefer - altdeutsche und Schuppendeckung

Fassade

Anfangort
Endort


Dach

Anfangort
Stichendort
Endort als Doppelort

FZ - Bogenschnittdeckung

Anfangort
Endort



Bilder: Peter Scheer

weiterführende Links