Schieferkehlen: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 10. September 2019, 08:51 Uhr


Einführung

Man unterscheidet grundsätzlich Haupt- und Anschlusskehlen. Unter Hauptkehlen versteht man innenliegende Nahtstellen bei einspringenden Gebäudeecken. Das anfallende Niederschlagswasser beider Dachflächen wird über die Kehle abgeleitet. Anschlusskehlen im Unterschied entstehen beim Zusammentreffen von einer Dachfläche mit einer Fläche untergeordneter Bedeutung wie

  • Sattelfläche einer Sattel- oder Spitzgaube (Sattelkehle)
  • Wand-, Kaminwangen- oder Gaubenwangenfläche (Wangenkehle)
  • Wandfläche (Wandkehle)
  • Kamin- oder Dachausbaustirnseite (Brustkehle)

Weiterhin werden Kehlen nach Deckrichtung und der Art der Deckrichtung unterschieden. Mit der Art der Deckrichtung ist die Flächenart (Dachfläche, Wand, usw) gemeint, die durch die Kehle getrennt werden.

Unterscheidung der Kehlen nach Art

Hauptkehle

Hauptkehlen lassen sich als

  • rechte Kehle
  • linke Kehle
  • Herzkehle

ausführen. Rechts und links bezeichnen dabei die Deckrichtung der Kehlsteine. Eine Herzkehle wird aus der Mitte der Kehle in beide Deckrichtungen gedeckt. Wenn sich die Deckrichtung der Kehle auf Grund wechselnder Dachneigung ändert, spricht man von einer Wechselkehle.

Bei Hauptkehlen muss die Mindestkehlsparrenneigung 30 ° betragen.

Anschlusskehle

  • Sattelkehle
  • Wand- und Wangenkehle
    • eingehende Kehle
    • ausgehende
  • Brustkehle

Bei der eingehenden Wand- oder Wangenkehle wird von der Dachfläche zur Wand- oder Wangenfläche gedeckt. Bei der ausgehende Wand- oder Wangenkehle erfolgt die Deckung von der Wand- oder Wangenfläche zu Dachfläche.


Steine des Kehlgebindes

Neben den Kehlsteinen sind besondere Anschlusssteine erforderlich:

  • Wasserstein
  • Einfäller
  • Schwärmer

Sie kommen an den Übergängen zwischen den Deck- und Kehlgebinden zum Einsatz.

Deckregeln

Grundsätzliches

Überdeckung

Auf Grund des höheren Wasseraufkommens in der Kehle - dort sammelt sich das Wasser von zwei Dachflächen - ist die Höhenüberdeckung um 1/3 größer als in der Dachfläche. Die Seitenüberdeckung beträgt mindestens die Hälfte der Kehlsteinbreite.

Deckrichtung

Die Wahl der Kehle richtet sich nach der Dachneigung und der Größe der beteiligten Dachflächen. Es gelten pauschal die folgenden Regeln:

  1. Gedeckt wird von der flacher geneigten zu steileren Dachfläche
  2. Bei gleicher Dachneigung wird von der kleineren zu größeren Dachfläche gedeckt.

Begründung Das Wasser auf steileren Dachflächen hat beim Abfluß eine größere Fließgeschwindigkeit und sollte von der Seitenüberdeckung wegfließen. Also muss zur steilen Fläche hin gedeckt werden. Es wird also eine rechte oder linke Kehle gedeckt.

Bei gleicher Dachneigung hat die größere Dachfläche ein größeres Wasseraufkommen. Auch in diesem Fall sollte dieses Wasser wieder von der Seitenüberdeckung wegfließen.

Ausführung

Die Größe der Dachflächen, die an der Kehle zusammenkommen, und die Dachneigung bestimmen die Position und Ausführung der Kehle.

Kehlanfang

WassersteinKehlanfang.jpg Bis zu einer Dachneigung von 50° muss die Kehle auf einem Wasserstein gedeckt werden, von dem aus die Kehle und die Deckfläche gedeckt werden muss. Die Kehle bestimmt in diesem Fall die Deckrichtung der angrenzenden Dachfläche. Der Wasserstein ist der erste Stein beider Gebinde, des Kehl- und des Deckgebindes.

Der Wasserstein bildet die niedrigste Stelle im Kehlgebinde.

Bild: linke Sattelkehle

EinfaellerKehlanfang.JPG Bei Dachneigungen über 50° können Kehl- und Deckgebinde mit gleicher Deckrichtung ausgeführt werden. Dann stellt ein Einfäller den Übergang zwischen Deck- und Kehlgebinde her.

Bild: rechte Kehle

Kehlabschluss

400 Bei unterschiedlicher Deckrichtung des Kehl- und Deckgebindes ist ein Schwärmer sowohl der letzte Stein des Kehl- als auch des Deckgebindes und wird auf beide Gebinde draufgedeckt.

Bild: linke Sattelkehle

Bei gleicher Deckrichtung von Kehl- und sich anschließendem Deckgebinde hat man zwei Möglichkeiten. Entweder man deckt zwanglos durch oder man stellt den Übergang mit einem Schwärmer und Wasserstein, wie im Bild zu sehen her.

WassersteinSchwaermerAbschluss.JPG Übergang mit Schwärmer und Wasserstein
ZwanglosAbschluss.JPG zwangloser Übergang

Bild: rechte Sattelkehle

Herzkehle

Die Herzkehle stellt einen besonderen Fall dar und kann bei gleicher Dachneigung und gleicher Größe der Dachfläche gedeckt werden. Hier trifft sich die gleich große Wassermenge beider Dachflächen mit gleicher Geschwindigkeit in der Mitte. Man beginnt mit einem Wasserstein in der Mitte der Kehle und deckt von dort aus Kehlsteine in beide Richtungen.

Anschlusskehle

Eine Anschlusskehle wird bei Übergängen zu Dach- und Wandflächen mit geringem Wasseranfall gewählt und wie oben beschrieben ausgeführt.

eingehende Kehle

Die eingehende Kehle wird von der Dachfläche zur Wangen- oder Wandfläche gedeckt. Haben die Kehlgebinde und die Gebinde auf der Dachfläche unterschiedliche Dachneigung, dann bildet ein Wasserstein den Ausgangspunkt auf den die Gebinde gedeckt werden. Bei gleicher Deckrichtung wird der Übergang durch einen Einfäller hergestellt.

EingendAnschlkWasserstein.JPG auf Wasserstein gedeckt bei unterschiedlicher Deckrichtung

Bild: linke eingehende Wangenkehle

EingeheKehleEinfäller.JPG eingehende Kehle auf Einfäller gedeckt bei gleicher Deckrichtung

Bild: rechte eingehende Wangenkehle

ausgehende Kehle

Die ausgehende Kehle wird von der Wand- oder Wangenfläche zur Dachfläche gedeckt. Sie kann je nach Dachneigung der Dachfläche bei gleicher Deckrichtung von Kehl- und Deckgebinde mit Schwärmer und Wasserstein oder zwanglos eingedeckt werden. Bei unterschiedlicher Deckrichtung enden die Kehle und die Deckgebinde an der Kehle mit einem Schwärmer.

AusgAnschkWasserstSchwärmer.JPG ausgehende Kehle verschiedener Deckrichtung mit Schwärmer

Bild: linke ausgehende Wangenkehle