Holzwerkstoffe

Definition

Holzwerkstoffe werden aus Holzlagen unterschiedlicher Stärke, Holzstreifen, Holzspänen oder Holzfasern verschiedener Hölzer (meistens als großformatige Platten) hergestellt. In Span- und Holzfaserwerkstoffen werden viele Reste aus der Holzindustrie verarbeitet, wie beispielsweise Äste und Späne, als auch Recyclingholz. Sie sind also sehr wirtschaftlich und außerdem meistens wesentlich preisgünstiger als Massivholz. Durch die Verwendung von Holzwerkstoffen können die positiven Eigenschaften des Holzes besser genutzt und die Nachteile des Holzes vermindert werden.

Holzwerkstoffe sind z.B.

  • leimgebunden
    • Furnierschichtholz (FU oder BFU)
    • Tischlerplatten
    • Holzfaserplatten
    • Holzspanplatten (V)
  • zementgebunden
    • Holzwollleichtbauplatten ("Sauerkrautplatte",Heraklith)
  • gebunden mit holzeigenen Inhaltsstoffen

Bilder

Multiplex-Platte]
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Beschreibung

Tischlerplatte

Tischlerplatte besteht aus zusammengeleimten Holzstäbchen mit Deckfurnieren in Längsrichtung. Sie ist nicht wasserfest und wird für den Bau hochwertiger Möbel und spezielle Innenausbauten eingesetzt.

Sperrholzplatte

Sperrholz wird aus kreuzweise verleimten Furnieren hergestellt. Je nach Verleimungtyp sind die Platten unterschiedlich wasserfest. Normales Sperrholz kann nur zum Möbelbau oder für den Innenausbau verwendet werden. Baufurnierplatten (Verleimungstyp BFU 100 G) finden unter anderem Verwendung für Verschalungen im Betonbau und für Baustellenabsperrungen die der Witterung ausgesetzt sind. Weil die einzelnen Furnierlagen sehr biegsam sind, lassen sich auch geschwungene Formen z. B. bei Stuhlsitzen herstellen. Der Faserverlauf der Deckfurniere muss zur Vermeidung von Formveränderungen in die gleiche Richtung weisen. Daher haben alle kreuzweise verleimten Platten eine ungerade Anzahl an Lagen.

Siebdruckplatte

Siebdruckplatte ist eine Sonderform des Sperrholzes. Die verwendeten Furniere sind oft aus tropischem Holz, das wasserfest verleimt ist. In der Regel haben diese Platten eine sehr glatte und eine sehr rauhe Seite und werden für hoch beanspruchte Flächen im Fahrzeugbau (Ladeflächen, Bordwände, Anhänger) und überall wo maximale Witterungsbeständigkeit gefordert ist eingesetzt.

OSB-Platte

OSB-Platte ist aus groben, länglichen Holzspänen gepresst und mit holzeigenen Inhaltsstoffen gebunden. Die Späne an der Ober- und Unterseite sind längs ausgerichtet (Oriented Strand Board) während die Späne in der Mitte quer ausgerichtet sind. Hierdurch entsteht eine größere Biegefestigkeit ähnlich wie bei kreuzweiser Verleimung von Furnieren. Die OSB-Platte verdrängt die früher gebrächliche Spanplatte bei den Baustellenanwendungen (Verschalungen, Innenausbau), weil sie weniger empfindlich auf Feuchtigkeit reagiert.

Multiplexplatte

Multiplexplatte ist auch eine Sonderform des Sperrholzes. Es werden hochwertige Furniere aus Buche oder aus Birke unter erhöhtem Druck verleimt und es entstehen hoch biege- und druckfeste Platten. Anwendung findet dieses Material im Formen- und Musterbau. Gelegendlich werden auch exklusive Möbelstücke daraus gefertigt.

MDF-Platte

MDF-Platten sind mitteldichte Faserplatten. Sie sind sehr feuchtigkeitsempfindlich, lassen sich aber gut zu hochwertigen Möbeln verarbeiten deren Oberfläche eine glänzende Lackierung erhalten soll. Oft sind hochpreisige Lautsprechergehäuse aus diesem Material gefertigt.

Spanplatte

Spanplatte wird aus kleinen Holzspänchen gepresst und mit Leim gebunden. In den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren Phenolharze Bestandteil des Leims. Diese Phenolharze waren für die Ausgasung von gesundheitsschädichem Formaldehyd verantwortlich. Heute gibt es Grenzwerte für diese Ausgasungen und im Verleimungstyp (V 100 G) steht V für Spanplatte, 100 für die Emissionsklasse (Menge der Ausgasung) und G für geschützt gegen Pilzbefall. Wenn ausreichender Feuchteschutz sichergestellt ist, dürfen Spanplatten auch im Außenbereich, z.B. auf dem Flachdach oder an Außenwänden eingesetzt werden. Werden diese Platten aber nass, quellen sie auf und verlieren ihre Tragfähigkeit. Weil OSB-Platten wesentlich feuchtigkeitsbeständiger sind und keinerlei Ausgasungen produzieren verdrängen sie die Spanplatte von den Baustellen. Im Möbelbau behält die Spanplatte allerdings ihre hohe Bedeutung.

Holzwollleichtbauplatte

thermische Trennung

Holzwolleleichtbauplatte wird umgangssprachlich auch als "Sauerkrautplatte" oder mit dem Herstellernamen "Heraklith" bezeichnet. Sie besteht aus langen Holzspänen, die mit Zement gebunden werden. Gelegendlich werden diese Platten zur thermischen Trennung von Wärmebrücken an Betondecken eingesetzt. Mit entsprechend armiertem Unterbau (Gewebeeinlage) kann diese Platte an dieser Stelle gut übergeputzt werden und ist fechtigkeitsbeständig. Zur Reduzierung der Nachhallzeit sind Teile von Innenwänden mit diesem Material beplankt. Der Schall verfängt sich in den Hohlräumen der Platte, wird nicht in den Raum zurückgeworfen und die Akustik wird verbessert.

Früher wurden diese Platten zum Innenausbau von Dachschrägen verwendet und verputzt. Beim nachträglichen Einbau von Dachfenstern ist zunächst der Putz dort zu entfernen, wo die Platte geschnitten werden soll. Es empfiehlt sich der Einsatz der Säbelsäge, weil eine Kettensäge durch das mineralische Bindemittel sehr schnell stumpf ist.

Vorteile von Holzwerkstoffen

Die Vorteile der Holzwerkstoffe gegenüber Massivholz bestehen in

  • gleichmäßigen und großen Formaten
  • der glatten Oberfläche
  • geringerer Formveränderung
  • Preisvorteil


Bei Verwendung von Holzwerkstoffen an Fassaden beträgt die Mindestdicke 22mm und es ist eine Vordeckung (z. B. mit V13) vorgeschrieben.