Kleine Baugeschichte

Aus Dachdeckerwiki
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Dachdeckung allgemein und ....

Die ersten bekannten Eindeckungen wurden mit Gras und Stroh ausgeführt. Aber schon bei den Römern wurden in den Städten die Dächer mit Ziegeln eingedeckt. Zum Einsatz kamen ebene Platten, die sehr an die heutigen Biberschwanzziegel erinnern. Die Entwicklung war je nach Gegend sehr unterschiedlich. Sie war abhängig von der technischen Entwicklung und der Verfügbarkeit des Deckmaterials. Das Deckmaterial wurde zumeist regional eingesetzt, da man nicht die heutigen Transportmittel zur Verfügung hatte. So wurden bis Mitte des 18 Jhd. im Sauerland die Dächer noch mit Gras eingedeckt, bis in Fredeburg und anderen Orten Schiefer entdeckt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt stand keine Alternative zur Verfügung. Ziegel waren zwar bekannt, aber unbezahlbar, da der Transport nahezu unmöglich war. Man deckte also zumeist mit dem Material ein, das man vor Ort hatte. Diese regionalen Unterschiede findet man auch heute noch vielfach in Bauordnungen, um alte tradierte Stadbilder zu erhalten. Eslohe im Sauerland schreibt deshalb die Eindeckung mit schwarzen Deckmaterialien, Schmallenberg im Ortkern sogar Schiefer vor. Es gab aber auch 'Insellösungen'. So wurden an der Weser im Solling Steinplatten gefunden, die sich plattig schlagen ließen. So findet man auch heute noch zwischen Höxter und Bad Karlsfeld Häuser, die mit diese dunkelroten Platten eingedeckt sind. Im Mittelalter konnten sich feste Eindeckungen jedoch zumeist nur Kirchen leisten. Die einfachen Häuser waren zumeist noch mit Gras, Stroh oder Schindeln eingedeckt. Dies führte dann häufig dazu, dass ganze Städte durch Funkenflug in Brand gesetzt wurden und niederbrannten. Es entwickelten sich regional unterschiedliche Formen. Im Süden Deutschland wurde der Biberschwanzziegel und der Mönch/Nonnen-Ziegel und im Norden die Hohlpfanne zur meistverbreiteten Ziegelart. Die Entwicklung beschleunigte sich mit der technischen Entwicklung durch den hohen Materialbedarf nach dem 2. Weltkrieg. Die Zementtechnologie brachte neue Möglichkeiten. Dabei beeinflußten sich die Formen der einzelnen Deckmaterialien. Der Betondachstein in Form eines Doppel-S soll in seinem Deckbild der in vielen Gegenden üblichen Hohlpfannendeckung ähneln. Man kopierte auch von einander. So liefert die Schieferindustrie seit einigen Jahren quadratische Platten mit Bogenschnitt, die zunächst in dieser Form von der Faserzementindustrie entwickelt worden waren. Mitte des 20. Jhd ließ die Produktionsweise von Schieferplatten diese Form nicht wirtschaftlich zu. Erst der Tagebau von Schiefer in Frankreich und Spanien und die sinkenden Transportkosten erlaubten es der Schieferindustrie diese Plattenform in ihre Produktpalette aufzunehmen.

... und deutsche Deckungen im besonderen

Altdeutsche Deckung

Zu Beginn des Schieferabbaus wurde das Gestein durch Sprengung gewonnen. Dabei fielen Steine unterschiedlicher Größe an. Da der Abraum dabei aber ca 80% betrug, sollte der Rest möglichst ausgenutzt werden. Die Altdeutsche Deckung, die man zu dieser Zeit entwickelte, verwendet deshalb Steine unterschiedlicher Größen. Man beginnt an der Traufe, wo das meiste Wasser anfällt, mit großen Steinen und am First werden kleinere Steine eingesetzt. Weiterhin richtet sich die Steingröße nach der Dachneigung. An flachgeneigten Dächern mit geringer Fließgeschwindigkeit werden wegen der größeren Kapillarität größere Steine als bei steilen Dächern eingesetzt.

Schuppenschablonendeckung

In der Mitte des 20. Jhds war man in der Lage große Maschinen zu zerlegen und untertage erneut zusammenzusetzen. Dadurch wurden die unkontrollierbaren Sprengungen unnötig. Mit großen, diamantbesetzten Steinsägen wurden Platten aus der Wand gesägt, die alle in etwa die gleiche Größe hatten. Der Abfall wurde dadurch vermindert und die Notwendigkeit verschiedene Steingrößen verarbeiten zu müssen überflüssig. Diesem Umstand wurde man mit der Schuppenschablonendeckung gerecht, die dem Deckbild nach der altdeutschen Deckung entspricht, jedoch nur Steine einer Größe verwendet.

Deutsche Deckung - Bogenschnitt

Mit dem Ende des zweiten Weltkriegs wurden große Mengen Deckmaterial benötigt. Die finanziellen Mittel der Kunden waren jedoch gering. Man suchte deshalb Deckmaterialien, die sowohl von der Anschaffung her billiger waren, aber auch einfacher zu verlegen waren, um die Lohnkosten zu senken. Faserzementplatten konnte man in großen Mengen preisgünstig herstellen. Dabei wurde die Form entsprechend der Schuppenschablonendeckung angelegt, jedoch stark vereinfacht, um eine rationellere Verlegung zu ermöglichen. Das Deckbild der Deutschen Deckung mit Faserzementplatten kann nur von einem Fachmann von den entsprechenden Deckungen mit Schiefer unterschieden werden.

Mit dem einsetzenden Abbau des Schiefers im Tagebau in Spanien und Frankreich und den geringeren Kosten, trug auch die Schieferindustrie den Entwicklungen auf dem Markt Rechnung und adaptierte die von der Faserzementindustrie eingeführte vereinfachte Form. Damit war Schiefer wieder konkurrenzfähig geworden, da so sowohl die Materialkosten, als auch die Lohnkosten gesenkt werden konnten, dem Kunden jedoch wieder die attraktivere farbliche Gestaltung des Schieferdaches angeboten werden konnte.